Dojo-Ordnung

DOJO Etikette                          

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Wenn wir einen asiatischen Kampfsport betreiben, dann müssen wir uns einige allgemeine im Budosport üblichen Verhaltensweisen angewöhnen, die man als Dojo-Etikette bezeichnet. 

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Hierbei sind erst einmal die für den nicht-Budoka unüblichen Verhaltensweisen, wie die Verbeugung beim betreten der Halle, beim Beginn des Trainings und vor seinem Trainingspartner.

Die Verbeugung beim betreten der Halle bedeutet, daß wir die Verhaltensweisen, die wir im täglichen Leben an den Tag legen, ablegen, und uns den im Budosport üblichen Verhaltensweisen unterwerfen. Zu diesen werden wir später kommen.

Vor Beginn des Trainings, wenn Lehrer und Schüler sich voreinander verbeugen, soll das den gegenseitigen Respekt, den sich beide Seiten entgegenbringen, ausdrücken. Es bedeutet weiterhin, daß die fachliche Qualifikation des Lehrers anerkannt wird und seine Anweisungen befolgt werden.

Zur Begrüßung oder zum Abschied stellt man sich in einer vorgeschriebenen Reihefolge auf. Vor dem Trainer stellen sich die  Schüler entsprechend ihrer Gürtelfarben (Graduierung) genau ausgerichtet auf.

Es gibt zwei Arten von Grußzeremonien; stehend oder sitzend; dies ist historisch bedingt. Welche von diesen im Verein praktiziert wird, ist festgelegt. Die einmal verwendete Form wird auch immer beibehalten.

Die Verbeugung vor dem Partner, mit dem wir trainieren wollen, oder mit dem wir gerade trainiert haben, bedeutet, daß wir ihn als Person achten und respektieren, woraus folgt, daß wir ihn im Training nicht verletzen wollen, sondern mit ihm zum Zweck des beiderseitigen technischen und geistigen Fortschritts trainieren wollen.

Wenn der Schüler von dem Trainer eine Aufgabe zugewiesen bekommt, soll er sie solange weiter ausüben, bis ihm der Trainer eine neue Aufgabe zuweist. Selbst wenn es dem Schüler langweilig werden sollte, so soll er durch weiteres üben an dieser „langweiligen Technik“ seinen willen schulen. Außerdem soll er seinem Trainer vertrauen, den Fortschritt des Schülers zu sehen und auch richtig zu beurteilen. Der Trainer kann es besser beurteilen, ob die Technik des Schülers schon so gut ist, daß er eine andere Technik üben kann oder nicht.

Wenn der Schüler aus welchen Gründen auch immer das Dojo verlassen muß, so geht er zum Trainer, macht eine Verbeugung und wartet, daß ihn der Trainer anspricht. Sollte der Trainer mit anderen Schülern oder Schwarzgurten in einem Gespräch sein, so soll der Schüler warten, bis das Gespräch zu Ende ist oder bis der Trainer ihn anspricht. Der Schüler sollte in einem Abstand zum Trainer stehen, so, daß er das Gespräch nicht mithören kann.

Während des Trainings sollen die Schüler ruhig und konzentriert an den gestellten Aufgaben arbeiten und nicht reden oder sich die neusten Witze aus dem Fernsehen vom Vorabend erzählen. Bei Fragen steht der Trainer gerne zur Verfügung, um eventuelle Probleme zu beseitigen.

Das Training beginnt pünktlich zur angesetzten Zeit. Ist der Trainer zum Zeitpunkt des Trainingsbeginns noch nicht in der Halle, so beginnt der ranghöchste Schüler mit dem Aufwärmtraining, bis der Trainer kommt. Diesem Schüler ist derselbe Respekt wie dem normalen Trainer entgegen zu bringen.

Auch in diesem Fall soll sich die Gruppe nicht in eine lärmende Horde verwandeln sondern konzentriert an den ihr gestellten Aufgaben arbeiten.

Der Schüler kommt mit der korrekten Trainingskleidung pünktlich zum Training. Sollte er einmal zu spät kommen, so meldet er sich mit einer Verbeugung beim Trainer an. Anschließend soll sich der Schüler selbständig aufwärmen und dann in das allgemeine Training einordnen.

Der Schüler soll sich beim Trainer über eventuelle Unklarheiten in der Aufgabenstellung oder in der Technik erkundigen um so die Aufgabenstellung besser lösen zu können. Man denkt an den alten Satz: „es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten!“

Warum eine Etikette?

Mit manchen Budotechniken können anderen Menschen ernsthafte Verletzungen zugezogen werden. Das ist aber nicht Sinn der Sache, wir wollen nicht nur den Körper sondern auch unseren Geist schulen und die Techniken wollen wir nur in wirklich ernsthaften Situationen anwenden.

Deshalb ist eine Dojo-Etikette notwendig um diesen Sport in sanftem und harmonischem Verhältnis zu einem Partner zu üben.

Wer die Dojo-Etikette nicht einhalten kann, muss den Raum verlassen. So ermöglichen wir Schlägern keine Chance zu einem aggressiven Training.

Alles mit Respekt zu behandeln bedeutet viele Dinge besser zu verstehen und das gilt nicht nur im Training sondern auch im täglichen Leben!

 

Snap_2013.12.22_19h17m41s_002Die DOJO-Ordnung

1. Der Jiuka hat 1/4 Stunde vor der angegebenen Trainingszeit zu erscheinen und darf das Dojo nicht vor dem offiziellen Trainingsschluß, außer nach vorheriger Absprache mit dem Meister, verlassen.

Die Verbeugung:

  • Beim Betreten oder Verlassen des Dojos im Stand an der Tür.
  • Beim Betreten oder Verlassen der Matte während des Trainings im Stand.
  • sonst im Knien am Mattenrand.

 

2. Zum Training muß jeder Jiuka, korrekt gekleidet, einen sauberen und ordentlichen Budogi tragen.
Der Jiuka sollte das Dojo nur mit Fußbekleidung (keine Straßenschuhe) betreten. Beim Trainingsbeginn wird diese sauber an der Dojowand abgelegt. Die Matte darf nur barfuß betreten werden.
Schmuck – insbesondere Hals- und Armbänder – sind vor Beginn des Trainings abzulegen.
Hände und Füße sind gut zu reinigen, Nägel kurz zu halten und lange Haare sicher und fest hochzustecken. Es empfiehlt sich, 2 – 3 Stunden vor Trainingsbeginn keine Mahlzeiten mehr zu sich zu nehmen (während des Trainings strengstens untersagt!). Verschone Deinen Partner vor Knoblauch- oder Zwiebeldüften.

 

3. Der Jiuka hat jederzeit mit jedem zu üben, der ihn dazu auffordert. Höflichkeit und gegenseitige Hilfe sind selbstverständlich. Beim Randori (Übungskampf) zeigt man sich wie ein Samurai, der Kämpfer, der seinen Gegner achtet! Das Training soll möglichst leise vor sich gehen. Der Kiai ist statthaft.
Konversation über Nicht-Jiu-Themen zeugt von Unverständnis des Geistes, der im Dojo herrschen soll.

 

4. Der Jiuka hat die Anweisungen des Trainers und Meisters zu befolgen. Übt ein Jiuka nicht oder folgt er den technischen Unterweisungen des Lehrers, so hat er sich korrekt am Mattenrand hinzusetzen (Liegen auf der Matte. Abstützen mit den Armen und ausgestreckte Beine sind im höchsten Grade Verstöße gegen die Jiu-Etikette).Wenn der Trainer am Trainingstag verhindert ist, übernimmt grundsätzlich der nächsthöchste anwesende Dan- oder Kyu-Grad das Training. All seine Anweisungen sind zu befolgen.

 

5. Erzielte Erfolge sollten nie zur Überheblichkeit führen. Wende auch im Privatleben den Grundsatz “ Nachgeben um zu siegen “ an.

 

6. Der Dan-Träger oder gar Meister sei immer Vorbild und ohne Arg.

 

7. Achtet die Frau und erweist Euch ihr gegenüber immer ritterlich.

 

8. Es ist verboten, Würfe und Griffe leichtsinnig oder mit Gewalt durchzuführen. Die Ausführung der gelernten Würge und Griffe sind nur im Falle der Notwehr zulässig.

 

9. Notwehrparagraph (§ 227 BGB):
„Notwehr ist diejenige Verteidigung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“

 

10. Auch im Privatleben ist der Jiuka so korrekt, daß er den Durchschnittsmenschen weit überragt.